[...] Episoden der indischen Epen und der klassischen Literatur (allesamt in Sanskrit verfasst) wurden vom Poeten, Tempeltrommler und Tänzer Kunchan Nambiar in Malayalam, der Sprache der einfachen Menschen nacherzählt. Mit seinem Sprachgenie schuf er lebendige, mit Philosophie, Humor und Sozialkritik angereicherte Texte. Durch die harmonische Verbindung von Gesang, Rhythmus, Mimik, Handgestensprache, Tanz und Theater wurde Thullal schnell zu einem populären und festen Bestandteil der traditionellen Tempelfeste (was sich bis heute nicht geändert hat).
Bei Hochzeiten der Götter glaubte sich das Publikum am nächstgelegenen Königshof. Jagdszenen im Wald beschreiben detailgetreu, was betrunkene Soldaten in ihrem Übereifer so alles vom Baum schießen (z.B. auffällig behaarte Mitstreiter, die sich dort vor umherspringenden Tigern sicher wähnten). Brahmanen (Mitglieder der Priesterkasten und die damaligen Feudalherren), die stets großzügige Festessen genossen, konnten sich oft nach ausgiebigem Verzehr von Speisen nicht mehr von ihrem Platz erheben ... . Schon diese Beispiele lassen erahnen, wie schnell Kunchan Nambiar mit seinen Thullal-Geschichten Popularität erlangte.
Thullal (Tanz mit festen Schritten) wird in den Stilrichtungen Ottan-, Sitankan- und Parayan Thullal aufgeführt. Die beiden ersten ähneln sich sehr in Kostüm und Vortragsweise und sind beim Publikum äußerst beliebt. Eine Kaste der Unberührbaren gab Parayan Thullal seinen Namen. In diesen Texten ist sehr viel Philosophie und Sozialkritik enthalten. Bis heute ist es schwierig geblieben, für diese Art von Thematik ausreichend Veranstalter, Künstler und Publikum zu finden. [...]
Textquelle: www.Thullal.com
Hartmut Schmidt (Harinu Harshita) präsentiert Thullal
s. a. InternetPräsenz von Hartmut Schmidt bzw. Harianu Harshita (Künstlername)